... und stochern weiter durchs Aquarell ... Tübingen im Gedicht

Eine Anthologie herausgegeben von Kay Borowsky und Barbara Werner van Benthem

Tübingen: Eine Stadt, in der Mörike sein "Orplid" erfand, in der die Großen des 19. Jahrhunderts in waldeslustiger Umgebung ihr Stelldichein feierten. Ein Fleckchen Natur und Fachwerk, das den Dichtern, Theologen und Philosophen zur romantischen Heimat wurde.

In allen Gedichten erscheinen die Ikonen der vergangenen und gegenwärtigen Geistesgeschichte, als gehörten sie zum Inventar der Stadt. Stochern die Tübingen-Dichter vielleicht nur durch ein Aquarell, ähnlich den Besuchern, die Christa Hagmeyer in ihrem Gedicht beschreibt?

Sehnsüchtig wie Wilhelm Hauff, Zuflucht suchend wie Eduard Mörike, zerrissen wie Friedrich Hölderlin, zwiespältig wie Isolde Kurz, hoch komplex wie Paul Celan, kühl distanziert wie Ernst Meister, ironisch wie Heinz Czechowski, witzig wie Friedrich C. Delius, epigrammatisch wie Arnfrid Astel oder anrührend wie Margarete Hannsmann: In Tübingen kommt kein Poet an der Idylle vorbei, aber jeder Dichter geht anders mit ihr um.

♦  Erschienen in der Edition J.J. Heckenhauer, 2. Auflage 2004